Für die Giro d’Italia-Kollektion hat Red Bull – BORA – hansgrohe einen anderen visuellen Ansatz gewählt. Fotografiert wurde auf analogem Mittelformatfilm in einer Residenz am Lago Maggiore, wo Radsport, Fashion und italienische Atmosphäre aufeinandertreffen. Wir haben mit Fotograf Paul über die Idee hinter dem Shooting, die Herausforderung einer neuen Bildsprache im Radsport und das Bild gesprochen, das den Charakter der Kollektion für ihn am besten einfängt.
1. Paul, du hast die Giro d’Italia-Kollektion für Red Bull – BORA – hansgrohe fotografiert. Was war die Grundidee hinter Look und Bildsprache des Shootings?
Die Grundidee war, ein bestimmtes Gefühl zu vermitteln. Wir hatten eine Residenz am Lago Maggiore in Italien als Location, passend zur Giro-Kollektion. Unser Ansatz kam eher aus dem High-Fashion-Editorial als aus der klassischen Sportfotografie. Deshalb haben wir auf analogem Mittelformatfilm fotografiert, was im heutigen Sport eher selten ist. Ziel war es, das Beste aus beiden Welten zu vereinen und eine neue Ästhetik in den Radsport zu bringen.
Unser Ansatz kam eher aus dem High-Fashion-Editorial als aus der klassischen Sportfotografie
2. Der Giro steht für Emotion, Farbe und große Radsportmomente. Wie hast du versucht, dieses spezielle Giro-Gefühl visuell einzufangen?
Für mich lebt der Giro vor allem von seiner besonderen Atmosphäre. Deshalb war uns die italienische Location so wichtig. Licht, Architektur und Stimmung vor Ort haben bereits viel von diesem Gefühl transportiert. Wir haben bewusst auf Film fotografiert, weil analoge Fotografie Farben sehr authentisch wiedergibt. Die Verbindung zum Team haben wir beispielsweise über die Teammitglieder geschaffen, die wir auf den Fernsehern im Sportheim integriert haben. So entstand eine Brücke zwischen Giro, Team und italienischem Lebensgefühl.
3. Was war bei diesem Shooting die größte Herausforderung: die Kollektion selbst, die Teamidentität oder die Verbindung zum Giro d’Italia?
Für mich war die größte Herausforderung tatsächlich der stilistische Spagat. Wir wollten etwas Neues schaffen, zwischen Editorial und klassischer Sportfotografie. Durch neue Bildsprachen können wir auch mehr Menschen erreichen und den Radsport für ein breiteres Publikum zugänglich machen.
4. Was unterscheidet ein Fashion- oder Kollektion-Shooting im Radsport von klassischen Team- oder Rennbildern?
Der Ansatz ist ein völlig anderer. In der Rennfotografie geht es oft darum, einen entscheidenden Moment festzuhalten. Bei einer Kollektion steht dagegen die Ästhetik stärker im Vordergrund. Natürlich freut man sich im Rennsport über ein scharfes Bild vom entscheidenden Angriff oder von einem Sieg. Bei diesem Projekt ging es aber darum, Kleidung, Stimmung und Lifestyle in den Mittelpunkt zu stellen. Genau diese Verbindung aus Sport und Ästhetik war unser Ziel.
Genau diese Verbindung aus Sport und Ästhetik war unser Ziel.
5. Gibt es ein Bild aus dem Shooting, das für dich besonders gut zusammenfasst, wofür diese Giro-Kollektion steht?
Das Bild, das mir sofort in den Sinn kommt, ist Jonas auf dem Balkon mit Blick auf den Lago Maggiore. Für mich vereint dieses Foto alles: Italien, die Kollektion und die besondere Atmosphäre der Residenz, in der wir fotografiert haben. Es transportiert genau die Stimmung, für die die Kollektion steht.
6. Welches Item aus der Kollektion hat dir das Shooting am einfachsten gemacht oder war besonders interessant zu fotografieren?
Besonders spannend fand ich tatsächlich die Satteltaschen. Das ist ein Produkt, das man nicht jeden Tag fotografiert, und gerade deshalb hat es Spaß gemacht, dafür interessante Bildideen zu entwickeln. Gleichzeitig mochte ich auch die Shirts und Hoodies sehr. Ich bin generell ein Fan von reduziertem Design: Vorne war nur das schlichte Text-Branding zu sehen, während auf der Rückseite größere Prints Platz bekommen haben. Dieser Kontrast hat fotografisch sehr gut funktioniert.
7. Wie stark darf ein Fotograf bei so einem Projekt eigentlich seine eigene Handschrift einbringen?
Eine gute Zusammenarbeit lebt von Kommunikation und Vertrauen. Kundinnen und Kunden buchen mich natürlich auch wegen meines Stils und meiner Bildsprache. Gleichzeitig ist so ein Shooting immer ein gemeinsamer kreativer Prozess. Manche Bilder orientieren sich stärker an meiner Handschrift, andere stärker an den Vorstellungen der Marke. Bei diesem Projekt hatte ich sehr viel kreativen Freiraum, und ich glaube, das sieht man den Ergebnissen auch an.
8. Hast du schon weitere Radsport-Projekte im Blick?
Oh ja. Ich habe gerade ein größeres freies Projekt in der Schweiz umgesetzt, auf dessen Veröffentlichung ich mich sehr freue. Außerdem bin ich aktuell mit dem Team im Austausch, ob ich Ende des Jahres noch einmal ein Rennen begleiten kann. Bisher durfte ich bereits unterschiedliche Projekte im Radsport fotografieren, von Performance bis Lifestyle. Als Nächstes hätte ich große Lust, meinen Blick auch einmal direkt bei einem Rennen einzubringen. Mal sehen, was die Zukunft bringt.