Auch in Thalgau wird es langsam Frühling. Im Salzburger Umland scheint die Sonne, die Temperaturen kratzen am zweistelligen Bereich. Es sind hervorragende Bedingungen für ein paar Trainingskilometer. Der eine oder andere Sportler, der aktuell im Athlete Performance Center von Red Bull weilt, nutzt die auch aus.
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Im Video: Maxim Van Gils zurück auf dem Rad
Maxim Van Gils gehört noch nicht dazu. Seit ein paar Tagen ist er am APC, um seine Reha voranzutreiben. Die Beckenfraktur und der Schulterbruch verheilen gut, wie neueste Bilder zeigen. "Ich habe auch immer noch Schmerzen im Handgelenk, aber da ist wohl nichts gebrochen. Der Rest reicht ja auch", sagt Maxim während einer Pause in seinem Programm.
Erstes Ziel erreicht: Gehen ohne Hilfen
"Ich fühle mich eigentlich ganz gut. Zumindest nicht zu schlecht. Die letzten vier Wochen sind ziemlich schnell vergangen." Doch vor allem die ersten Tage waren mitunter qualvoll. Maxim war zunächst auf einen Rollstuhl angewiesen, später lange auf Krücken unterwegs. Die konnte er nun vor ein paar Tagen ablegen. "Das war das erste Ziel, als ich hier ankam. Wenn man die zu lange benutzt, ist das schlecht für den Rücken."
Weg von den Krücken: Das war das erste Ziel, als ich hier ankam.
Also ging es aufs Laufband. "Irgendwie haben sie es geschafft, mein Gewicht von den Füßen zu bekommen. Es fühlte sich so an, als würde ich auf dem Mond laufen. Es ging darum, einfach ein bisschen Bewegung in das Bein zu bekommen. Danach haben wir es auf Matten versucht, damit es weicher ist", schildert Maxim das Vorgehen. "Jeden Tag wurde es ein bisschen besser. Allerdings laufe ich vormittags anders als nachmittags. Es wird aber jeden Tag ein bisschen besser. Ich laufe noch nicht wieder so wie vorher. Aber ich bin ja auch kein Marathonläufer. Auch, wenn es nicht perfekt ist, kann ich ja trotzdem noch aufs Rad."
Zurück auf dem Rad - zumindest indoor
Das war das nächste Ziel. Und auch das ist mittlerweile erreicht. Seine ersten Einheiten auf der Rolle hat Maxim bereits absolviert. Und das nur vier Monate nach einer Beckenfraktur. Möglich ist das, weil der 26-Jährige viel Glück im Unglück hatte. Eine entsprechende Verletzung kann auch mal drei bis vier Monate ohne Radtraining bedeuten. Doch Maxims Becken brach sozusagen denkbar günstig.
Vier Wochen ohne Radfahren sind für Maxim dennoch eine lange Zeit. "Vielleicht sogar eine der längsten Perioden in meinem Leben überhaupt, in denen ich nicht in die Pedale treten konnte. Mindestens aber für viele Jahre. Ich habe mir mit 16 oder 17 Jahren mal das Schlüsselbein gebrochen. Aber auch danach war ich nach einer Woche wieder auf der Rolle."
Nach 30 Minuten war alles super. Beim zweiten Mal konnte ich dann sogar schon etwas aus dem Sattel gehen.
Entsprechend besonders war das erste Mal dann doch irgendwie, auch wenn Maxim sagt: "Auf der Rolle ist es langweilig." Aber der Moment macht den Unterschied. "Ich hatte ein wenig Sorge, die Hüfte zu verletzen. Denn in den ersten Wochen war es wirklich sehr schmerzhaft. Besonders dann, wenn ich mein Bein bewegte, Niesen oder Husten musste. Aber es war in Ordnung, das rechte Bein begann wieder damit, die Verbindung zu fühlen. Nach 30 Minuten war alles super. Beim zweiten Mal konnte ich dann sogar schon etwas aus dem Sattel gehen."
Gewichte, Stretching und Massagen - und die Hoffnung aufs Comeback im Juni
Neben der Rückkehr aufs Rad stehen für Maxim im APC vor allem Massagen auf dem Programm. "Es sind immer noch viele Verspannungen in den Muskeln, die erstmal gelöst werden müssen, um den Körper wieder dazuzubringen, sich richtig zu bewegen." Die Gesäßmuskulatur steht dabei im Fokus. Und die Aktivierung der Beine. Dazu kommen Stretching und auch erste Einheiten im Fitnessstudio mit leichten Gewichten. "Wir müssen da vorsichtig rangehen, weil ja eben auch die Schulter noch gebrochen ist."
Der gewünschte Fortschritt ist da. Doch auf den nächsten großen Schritt, den er sehnlich gehen möchte, muss Maxim noch eine Weile warten. Zurück auf die Straße, raus zu den anderen Radfahrern. Wann das so weit sein wird, hängt vom weiteren Heilungsverlauf ab. Der grobe Plan für das Comeback steht derweil: "Ich denke, ich werde im Juni zurückkommen."